Herr Blöder Bleistift will nicht schreiben: Wie aus Schreibfrust Schreiblust werden kann

„Hallo Claudia“, sagt er am Telefon, „ich möchte ein Lerncoaching bei dir buchen.“

Er ist – nennen wir ihn Tim.

Er ist – 8.

Er ist – eigenverantwortlich.

Er weiß, was er will. 

Und was er nicht will. 

Was will er nicht?

Er will NICHT mit dem Bleistift schreiben.

Wollte er schon im Kindergarten nicht. Hat er damals auch nicht gemacht. 

Jetzt ist er 8. 

Und will immer noch nicht. 

Ein ewiger Bleistift-Kampf.

Weil der Bleistift blöd ist. 

Weil Tim da keine Geschichten mehr einfallen.

Weil der Bleistift seine Schrift so krakelig macht. 

Weil er so rutschig ist. 

Vier fette Weil’s. 

Die Füllfeder mag Tim. Die ist lieb.

Verständlich, dass er den Bleistift nicht mag.

Weil er den blöden Bleistift manchmal verwenden muss. Beim Geschichtenschreiben zum Beispiel. 

GRRR!

Schnitzen

Schnitzen ist super. 

Super für die Kreativität.

Super für die Entspannung

Super auch, um mit jedem weggeschnitzten Holzspan seine Wut rauszulassen. Gilt übrigens auch für Bleistiftwut.

Einträchtig sitzen wir mit unseren Taschenmessern nebeneinander im Garten und schnitzen ein-trächtig und be-dächtig je einen Bleistift, bis nix mehr davon übrig ist. Einen nagelneuen, wohlgemerkt. 

Mit kurzgespitzten, angeknabberten Bleistiftresten ist der Effekt nämlich nur minimal zu spüren. 

Neben uns eine Zehnerpackung Bleistifte. 

Härtegrad HB, nur so zur Info. 

Bleistift Nummer 1 und 2 liegen in winzigen Holzkringeln vor uns. 

Nummer 3, Nummer 4 sind gerade dran, sich zu minimieren.

Tims Mundwinkel gehen in ein Grinsen über. Ha! Was für eine Genugtuung.

Er darf, wie viele er will. 

Er will vier, mir reichen zwei. 

Tolles Gefühl! 

Und noch spannender wird es jetzt: Wir machen nämlich ein…

Schnitzen Bleistift

...Bleistift-Lagerfeuer

Vor uns flackern die Bleistiftspäne. 

Wer kommt schon auf die Idee, ein Lagerfeuer mit Bleistiften zu machen? 

WIR!

Warum? Weil wir verrückte Ideen lieben. Und weil ungewohnte oder noch gar nie beschrittene Wege manchmal zum Ziel führen. Auch wenn einige entsetzt sein werden, wie um alles in der Welt man neue 

Bleistifte so „würdelos“ behandeln bzw. verschwenden kann. 

Völlig ruhig und entspannt sehen wir zu, wie die letzten Reste in Glut und Asche zusammenfallen. 

Herr Bleistift spricht

Danach noch eine kurze Fantasiereise in meinem riesigen Chill-Lerncoaching-Sessel

Mit gedämpftem Licht und plätschernder Entspannungsmusik. 

Wollen wir mal sehen, ob wir eine Lösung für das Bleistift-Problem finden. 

Vor Tims Augen erscheint Herr Bleistift. Acht Meter hoch ist er und schwarz. 

Er zaubert ihn sich kleiner, schwarz darf er bleiben. Und  er bittet ihn, mit uns zu sprechen. 

Will Herr Bleistift sprechen? Ja, will er.

Ich darf ihm Fragen stellen.

Und er macht uns ein paar Vorschläge:

Antwort 1: „Such oder bastle dir was, damit ich weniger glitschig bin.“

Antwort 2: „Ein Spitzer mit Kurbel wäre super. Es würde mir Spaß machen, von ihm gespitzt zu werden.“

Antwort 3: „Schreib einfach und denk nicht nach, womit du schreibst. Tu’s einfach.“

Aha. 

Ganz schön klug, der Herr Bleistift

Und gar nicht so unsympathisch, wie wir am Anfang gedacht haben. 

Am nächsten Tag überrasche ich Tim mit einem ultracoolen Kurbelspitzer und mit einem Minenbleistift mit dicker Mine und Tintenroller-Griff von Stabilo

Es ist ein Genuss, damit zu schreiben. Wir haben es getestet. 

Ich bin schon gespannt, ob die beiden Herren jetzt besser miteinander auskommen. 

Nachtrag 4 Tage später: 

„Herr Bleistift heißt jetzt Mister Gut und schreibt gut.“ Originalzitat

Tim hat nämlich heute mit ihm einen superguten Italienischtest geschrieben mit schöner Schrift. Und außerdem wandert Mister Gut in der ganzen Klasse rum, weil alle mit ihm schreiben wollen. 

 

P.S. Lust auf ein kreatives Lerncoaching, in dem wir zwischendurch auch verrückte Wege gehen? 

Hier gibt es Infos!

Bleistift schreiben

8 Antworten

  1. Was für wunderbare Ideen! So können Kinder Widerstände und Frust mit Freude abbauen. Mehr Fantasie ist die Lösung! Wie schön, dass es solche liebevoll „verrückten“ Lerncoaches gibt. Alle Kids mit Schul- und Lernstress zu Claudia Burger! Ich werde Sie auf jeden Fall weiterempfehlen!

  2. Ich bin total fasziniert von deiner Arbeitsweise! Beim Lesen konnte ich bildlich vor mir sehen, mit welchem Wut-Frust-Gefühl Tim in dein Coaching kommt und wie stolz, erleichtert und selbstbewusst er die Stunde verlässt.

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