Schultipps für Eltern: Wie du deinem Kind die Freude am Lernen vermasseln kannst

Kinder sind neugierig und haben Freude am Lernen. 

Das sagt zumindest die Forschung. Inklusive der Lernprofis wie Vera F. Birkenbihl, Gerald Hüther und wie sie alle heißen. 

Wir Eltern wissen es aber besser. 

Schule MUSS sein. 

Augen zu und durch. 

PUH!

Wie aber kannst du deinem Kind die Freude am Lernen vermasseln

Ich gebe dir hier ein paar konkrete Tipps, wie dir das gelingen kann. 

Für ein sensationelles PUH-SCHULE-GEFÜHL. Bitte mit Augenrollen und lautem Schnaufen. 

Wirksam bei deinem Kind und natürlich auch bei dir als Mami oder Papi. 

Zu Risiken und Nebenwirkungen frag einfach deinen Arzt oder Apotheker. 

TIPP 1: WIR...

„WIR müssen jetzt Hausaufgaben machen und lernen.“ 

Ja, zu mindestens 50% fallen die Hausaufgaben deines Kindes in deinen Kompetenzbereich. Nicht nur, wenn dein Kind eine Lernschwäche, z.B. LRS, hat und dich deshalb braucht, sondern immer und sowieso. 

Natürlich auch, wenn bei deinem Sohn schon die ersten Barthaare sprießen oder Wimperntusche und BH zu den täglichen Utensilien deiner Tochter gehören. 

Elternverantwortung gilt lebenslang, somit auch die für das Lernen. 

Übrigens: Erwähne den oben genannten Satz möglichst schon während des Mittagessens mindestens dreimal, damit er auch hundertprozentig bei deinem Kind ankommt. Du weißt ja, die Nervenbahnen im Gehirn umfassen 5,8 km, also lieber auf Nummer Sicher gehen. 

Die Steigerung?

„ICH muss deine Hausaufgaben machen und lernen.“ 

Dein Kind kann dann entspannt auf der Couch chillen und hat viel Freude daran, dir bei seiner bzw. deiner Lernzeit zuzusehen.

TIPP 2: MÜSSEN...

Gleicher Satz, nur anders betont:

„Wir MÜSSEN jetzt Hausaufgaben machen und lernen.“

Das Damoklesschwert über unserem Kopf. 

„Müssen“ klingt so schön nach Pflicht und Zwang, dass es damit ganz sicher klappt mit dem tollen Lernen.

Wir wollen ja sichergehen, dass unsere Kinder frühzeitig die nötigen Skills für den rauen Arbeitsalltag trainieren. 

Hat schließlich früher auch funktioniert. 

TIPP 3: JETZT...

„Wir müssen JETZT Hausaufgaben machen und lernen.“

Wie jeder weiß, werden Hausaufgaben am besten gleich nach dem Mittagessen erledigt. 

Erschöpft von der Schule und/oder Bewegungsdrang – völlig wurscht.

Dann brauchen wir nämlich den Rest des Tages nicht mehr daran denken. Wir als Eltern, versteht sich. Dass die Kinder nicht daran denken, wissen wir sowieso.  

Alternativ wären als Lernzeit auch exakt 15.00 oder 16.00 Uhr möglich. 

Warum herumprobieren, ob es vielleicht gegen Abend oder in zwei Blöcken besser läuft? 

TIPP 4: HIER...

„Du bleibst jetzt HIER sitzen!“

Logisch, denn HIER ist der Schreib- oder Esstisch und der ist bekanntlich zum Schreiben (und Essen) da. 

In Kombination mit einem Stuhl, bitteschön. 

Es soll ja alles seine Ordnung haben, auch wenn dein Kind vielleicht für verschiedene Fächer auch einmal wechseln möchte. 

TIPP 5: SITZEN...

„Du bleibst jetzt hier SITZEN!“

Ja, es macht dich nervös, dieses Herumgezapple

Nix da mit Hüpfball statt Stuhl, Lernen mit Bewegung und Spielen, Gedichtlernen auf dem Trampolin. 

Nix da mit gleichzeitigem Ball-Zuwerfen, Lernen auf der Couch.

Nix da mit Gehirntraining im Kopfstand bei ganz schwierigen Vokabeln oder mit Überkreuzbewegungen. 

Das würde zwar unglaublich stimulierend wirken auf das Gehirn, aber Sitzen ist Sitzen und soll auch so bleiben. 

TIPP 6: NACHPRÜFUNG & SITZENBLEIBEN...

Was für eine Schande! 

Mein Kind kriegt eine Nachprüfung! 

Oder noch schlimmer: Sitzenbleiben droht! 

Da hilft nur mehr die Vogel-Strauß-Technik. Kopf in den Sand und nie mehr rausgucken. 

Natürlich ist eine Nachprüfung mit ständigem Ermahnen gekoppelt: „Mach endlich, damit du nicht in hohem Bogen fliegst! Deinetwegen schlafe ich schon nicht mehr!“

Sitzenbleiben! Wie blöd, wenn die anderen gemeinsam in die nächste Klasse aufsteigen und nur dein Kind es nicht geschafft hat. Es wird doch hoffentlich nicht an den Genen liegen! Schon allein all die Fragen beantworten zu müssen, warum dieses schreckliche Debakel passiert ist! Und diese Blicke! Nein, danke!

Du bist jedenfalls überzeugt, dass sowohl eine Nachprüfung als auch das Wiederholen einer Klasse ein Zeichen für Faulheit und persönliches Versagen sind. 

Also so Loser-mäßig

Lieber mit Ächzen und Stöhnen und um jeden Preis gerade noch positiv in ein, zwei, drei, vier Fächern, auch wenn du dafür einen Halbtagsjob als Nachhilfe- und Aufgabenmanager/in bei deiner Tochter oder deinem Sohn übernehmen musst. 

Und wenn dein Kind dadurch eine Mount-Everest-Expedition mit ständigem Hinterher-Hecheln und jede Menge Frust auf sich nehmen muss. 

Sehr, sehr anstrengend, aber was will man machen? 

TIPP 7: ALLEIN...

Oder aber das genaue Gegenteil:

Dein Kind ist groß oder auch klein und fühlt sich gerade total überfordert. Wegen eines Schulwechsels, einer neuen Lehrperson, wegen eines vorübergehenden Motivationstiefs. Oder einfach so. 

Aber du erklärst ihm voller Überzeugung: „Da musst du ALLEIN durch! Harte Jungs und Mädchen schaffen das!“

Mit Sicherheit lernt es durch diese Lektion das Durchbeißen. 

TIPP 8: PAPAGEI

Es ist unglaublich motivierend, wenn du alles, was dein Kind während seiner Lern- und Hausaufgabenzeit macht, kommentierst und vor- und nachplapperst.

Papageien-Stil eben.

Das fördert gleichermaßen die Konzentration, die Motivation und das Speichern im Gehirn. 

Weil dein Kind dann ja alles fünffach hört. 

BIS HIERHER GELESEN?

Du ahnst es! 

Natürlich ist das alles  Quatsch

Viel leichter, freudvoller und erfolgreicher lernt dein Kind, wenn…

  • du ihm möglichst viel Eigenverantwortung lässt, im Rahmen seiner Fähigkeiten, Möglichkeiten und seines Entwicklungsstandes
  • ihr gemeinsam neue Lernorte ausprobiert, verschiedene Lernzeiten und vielfältige Lerntechniken, die alle Sinne ansprechen – unter anderem die 10-Minuten-Regel und die Arbeit mit einem supereffizienten und Freizeit-sparenden Lernplan
  • es merkt, dass auch du hin und wieder mit deinem inneren Schweinehund – ähm T-Rex – raufst
  • du – zumindest in der Grundschulzeit – in der Nähe bist während der Aufgabenzeit
  • du ihm zwischendurch Hilfe anbietest, dir den Stoff erklären lässt und es immer wieder ermutigst
  • du in erster Linie Mami und Papi bleibst und dir eure wunderbare Eltern-Kind-Beziehung nicht durch tägliche Schul- und Hausaufgabendiskussionen zerstören lässt. Vielleicht ist eine vorübergehende Hausaufgabenbetreuung für euch ein Segen. 
  •  du deinem Kind zeigst, dass du ihm vertraust und stolz bist, weil es ist, wie es ist
  • du Fehler als Helfer siehst und Umwege als neue Möglichkeiten
  • ihr euch vielleicht durch ein professionelles Lerncoaching Unterstützung holt, wenn ihr mit eurem bzw. meinem geliebten Latein (ja, ich unterrichte Latein mit Leidenschaft :)) am Ende seid. 
 
P.S. 
Falls ihr jetzt denkt, bei uns zuhause läuft alles ganz easy, kann ich euch beruhigen. Ich sitze als vierfache Mami im selben Boot wie ihr und ich wollte lange nicht einsehen, dass ich bei unseren Kindern weder Lehrerin noch Lerncoach bin, sondern ausschließlich Mutter. 
Jedenfalls dürfen wir uns als Eltern auch mal entspannt zurücklehnen. Weil wir alle mit den gleichen Themen konfrontiert sind und alle trotzdem nur Elternmenschen sind. 
 

Ausführliche Infos zu einem Lerncoaching bei mir findest du hier

8 Antworten

  1. Als Kinder- und Lerntherapeutin würde ich keinen dieser oben genannten Sätze jemals sagen. Als Mutter bin ich leider nicht so gechillt. Da kommt mir das eine oder andere von oben leider bekannt vor.

  2. Ertappt!🙈 Habe beim Lesen sogar im Nachhinein noch ein schlechtes Gewissen bekommen.🙈 Obwohl ich selbst aus meiner beruflichen Praxis wußte, was nicht gerade förderlich ist…..haben mich immer wieder „alte Muster“ eingeholt.

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